„Halle an der Saale und Umgebung“

Fahrt nach Halle an der Saale und Umgebung vom 21.09.2022 bis 25.09.2022

 

Die Museumsgesellschaft Ehingen bot Ende September zusammen mit der Museumsgesellschaft Schelklingen eine Fahrt nach Halle an der Saale und Umgebung an.

Am ersten Tag führte die Fahrt zunächst nach Bayreuth. Eine sehr belesene Führerin brachte der Gruppe das historische Bayreuth näher, das besonders von zwei Personen geprägt wurde, deren Einfluss bis heute unübersehbar ist. Zunächst ging es auf den „Grünen Hügel“ zum Festspielhaus von Richard Wagner, das bis heute ungebrochene Anziehungskraft hat. Wie man bereits von der Autobahn aus sehen konnte, liegt es tatsächlich am Rand des an die Stadt angrenzenden Waldes, für Wagner ein entscheidendes Kriterium. Auch einfachste Innenausstattung und hervorragende Akustik waren für ihn wichtig, um allen Bevölkerungsschichten den Zugang zu seiner Kunst zu ermöglichen.
Das Stadtzentrum selbst ist stark geprägt von Bauwerken des Markgrafen Friedrich III. von Brandenburg-Bayreuth und seiner Ehefrau Wilhelmine, Schwester Friedrichs II. von Preußen. Besonders das Opernhaus ist so außergewöhnlich, dass es 2012 Weltkulturerbe der UNESCO wurde. Direkt an das Opernhaus angebaut ist die Synagoge. Deshalb wurde sie in der Reichspogromnacht 1938 nicht angezündet, aber verwüstet und geplündert. Als nächste Station war Richard Wagners Wohnhaus „Wahnfried“ und sein Grab im Garten Ziel der Gruppe. Über die „Neue Residenz“ ging die Führung zurück zum Bus.
Vorbei an Leuna, einem der größten Chemie-Industriestandorte der Bundesrepublik, erreichte die Fahrt Merseburg. Die Führung zeigte Merseburg als eine Stadt im Zwiespalt zwischen gewachsenen, über tausendjährigen Strukturen und modernen Bebauungen nach Zerstörungen im 2. Weltkrieg und in der DDR-Zeit. Inzwischen wird wieder behutsamer restauriert, was noch zu retten ist, wie in vielen Orten. Eindrucksvoll sind der Dom des von Otto I. dem Großen im 10. Jahrhundert neu errichteten Bistums Merseburg und das angrenzende Schloss der jeweiligen Stadtherren.
Interessant ist ein lebendes Denkmal an einen Justizmord in Merseburg. Ein Höfling wurde einst wegen Diebstahls eines Rings hingerichtet. Kurz darauf wurde der Ring in einem Rabenhorst wieder gefunden. Zur Erinnerung werden neben dem Schloss handaufgezogene Raben in einer Voliere gehalten.
Nach kurzer Weiterfahrt wurde am Abend das Standquartier in Halle-Neustadt bezogen.

Am nächsten Morgen wurde die Gruppe von einem jungen Mann, der gerade eine Gästeführerprüfung durchlief, in einer sehr lebendigen Art durch das Zentrum der Stadt Halle geführt. Start war am Hallmarkt, also dem Salzmarkt, weiter am ehemaligen Befestigungsring vorbei zum „Dom“ neben der neuen Residenz. Auf der Strecke passierte die Tour das „Haus der Begegnung“ mit einem Spitzel mit Fernglas an der gegenüberliegenden Hauswand als Erinnerung an die Überwachung durch die Stasi.
Der „Dom“, ein ehemaliges Dominikanerkloster, war die Residenz des Kardinals Albrecht von Brandenburg, der mehrere Bischofsämter und eine riesige Reliquiensammlung besaß. Zu deren Finanzierung initiierte er den bekannten Ablasshandel. Dadurch provozierte er die Gegenreaktion Martin Luthers in seinen 95 Thesen und damit letztendlich die Reformation.
Am Geburtshaus von Georg Friedrich Händel bekam die Gruppe auch die Reformpädagogik, die von Halle ausging, und die sehr wichtige Rolle der Universität weit über die Stadt hinaus erläutert. Auf dem Marktplatz endete die Tour bei der Marktkirche. Diese Kirche wurde aus ehemals zwei Kirchen zusammengebaut, deren Schiffe abgerissen und nur die 4 Türme beibehalten wurden, die mit nunmehr nur einem Kirchenschiff ein einziges Gebäude bilden. Am Ostrand des Marktplatzes steht als fünfter Turm der „Rote Turm“ frei als Glockenturm und in der Nähe das Denkmal Händels.
Die nächste Station war das „Museum für Vorgeschichte“, wo in einem beeindruckenden Museum in einer wiederum beeindruckenden Führung die „Himmelsscheibe von Nebra“ mit ihrem historischen großen Zusammenhang nahegebracht wurde.
Auf der Fahrt nach Naumburg sollte eigentlich im Zusammenhang mit der Himmelsscheibe kurz die Rekonstruktion eines fast 7000 Jahre alten „Sonnenobservatoriums“ bei Goseck aufgesucht werden. Wegen einer unangekündigten Straßensperrung und einer sehr schlecht ausgeschilderten Umleitung konnte dieses Ziel nicht erreicht werden.
Deshalb ging es direkt nach Naumburg, zunächst zur Besichtigung des als UNESCO-Weltkulturerbe eingestuften Domes, 1287 begonnen an Stelle einer älteren Bischofskirche. Der Dom ist bekannt durch die Stifterfigur der Uta, die in zahllosen Kreuzworträtseln auftaucht. Sie ist aber nur eine von insgesamt 12 Figuren, 8 Männern und 4 Frauen.
Der Dom vereint romanische und gotische Elemente mit Ergänzungen bis ins 21. Jahrhundert. Baulich ist die Kirche in vier Teile geteilt: Die Krypta, der Ostchor, das Langhaus und der Westchor. Im Ostchor die romanische Krypta, darüber der Hochaltarbereich, mit dem Chorgestühl und beeindruckenden Lesepulten für die schweren Folianten im Gottesdienst, das Ganze abgeschlossen von einem Lettner, der den Laienbereich vom geistlichen trennt. Dieser Bereich ist über Treppen erreichbar, deren Handläufe 1972 und 1983 in filigraner Arbeit von dem Magdeburger Künstler Heinrich Apel gestaltet wurden. Der Lettner wird von einem vom Langhaus aus unerreichbaren Kruzifix überragt. Wenn man sich umdreht sieht man den Westchor vor sich, der ebenfalls von einem Lettner vom Langschiff abgetrennt ist. Dieser Lettner zeigt die Leidensgeschichte Jesu in Stein und Holzreliefs und hat einen Durchgang mit zwei Öffnungen, in dem der Gekreuzigte die Menschen mit offenen Armen empfängt. Dieser Durchgang führt direkt in den Chor. Dort sind die berühmtesten Sehenswürdigkeiten des Doms zu sehen, die 12 Stifterfiguren und die Glasfenster. In diesem Bereich stand vor der Reformation ein Marienaltar von Lukas Cranach d. Ä., dessen Mittelteil bei einem Bildersturm zerstört wurde. Die zwei Seitenflügel blieben erhalten. Diese wurden von dem Leipziger Künstler Michael Triegel in einen neuen, modernen, Marienaltar integriert, sodass die ursprüngliche Situation rekonstruiert wird. Das rief aber den Denkmalschutz und eine Kommission der UNESCO auf den Plan, die diese Lösung mit der Aberkennung des Welterbetitels bestrafen will! Der neue Altar störe den Blick auf die Stifterfiguren und die Glasfenster! Kann der Dom ein Gotteshaus sein oder ist er nur ein Touristenziel? Im Naumburger Dom hat Martin Luther persönlich den ersten protestantischen Bischof der Geschichte eingesetzt, der sich allerdings nicht durchsetzen konnte, in dessen Amtszeit aber der erwähnte Bildersturm fiel.
Nach dem Dom ging es weiter mit einer Führung durch Naumburg. Eigentlich müsste man sagen, die beiden Naumburgs, denn Naumburg bestand bis in die Neuzeit aus zwei Städten, die durch jeweils eigene Mauerringe geschützt und durch eine heute noch deutlich wahrnehmbare Grenze voneinander getrennt waren, die sogenannte Domfreiheit, die Bischofsstadt, einerseits und die Bürgerstadt andererseits. Heute sind beide längst zusammengewachsen. Beim Gang durch die Stadt waren auch Erinnerungen an einen sehr berühmten Mann zu sehen, Friedrich Nietzsche, der einige Jahre in Naumburg lebte.
Naumburg hat noch einige weitere Superlative zu bieten: Das kleinste Stadttheater Deutschlands, den kleinsten Straßenbahnbetrieb Deutschlands im Linienverkehr, den letzten katholischen Kirchenneubau in der ehemaligen DDR (1962)

Der folgende Tag hatte die „Lutherstadt Wittenberg“ als erstes Ziel. Nach zunächst zügiger Fahrt auf der Autobahn kam der Verkehr zum Halten. Ein Stau von mehreren Kilometern machte die Weiterfahrt für fast 3 Stunden unmöglich. Nach Aussage des Busfahrers war dies der längste Zwangshalt in seiner jahrzehntelangen Berufszeit. Dadurch musste das ganze Programm umgestellt werden. Die geplante Gruppenführung musste verschoben werden, da der gebuchte Führer erst später wieder Zeit hatte. So konnten die Teilnehmer die Stadt zunächst auf eigene Faust erkunden. Die vorgesehene Führung begann dann an der berühmten Schlosskirche, an deren Tür Martin Luther seine 95 Thesen angeschlagen haben soll, was eine Legende Melanchtons sein dürfte. Auf jeden Fall sind die Thesen jetzt in Bronze gegossen an der Kirchentür zu lesen, allerdings auf lateinisch. Weiter ging die Tour über die Cranachhäuser zur Stadtkirche mit ihrem „Reformationsaltar“ von Lukas Cranach d. Ä. In dieser Kirche hat Luther hauptsächlich gewirkt. Eigentlich war die Kirche bereits geschlossen, aber zufällig anwesende Personen mit Schlüssel ermöglichten eine kurzen Blick in die Kirche. Vorbei an der alten Universität Wittenberg, der „Leucorea“ (altgriechisch = „Weißer Berg“), an der Luther Professor war, und dem ehemaligen Augustinerkloster, wo er zunächst Mönch war und später mit seiner Familie lebte, ging es zum Bus zur Heimfahrt. Die anderen Ziele, das Gartenreich von Wörlitz und Dessau, mussten wegen des außergewöhnlichen Zeitverlusts auf der Autobahn ausfallen.

Am nächsten Tag ging die Fahrt in nordwestliche Richtung. Dabei passierte der Bus die zweite „Lutherstadt“, nämlich Eisleben, Geburtsstadt (1483) und Sterbeort (1546) Martin Luthers. In einem Teilort von Eisleben liegt das ehemalige Kloster Helfta, im 13. Jh. bekannt durch einige Mystikerinnen, die weit über Helfta hinaus im Reich als religiöse Impulsgeberinnen wirkten. Die Mystik geht davon aus, dass Gott überall gegenwärtig ist und diese Gegenwart Gottes im ganzen Leben erfahrbar ist. Ziel ist es, mit diesem gegenwärtigen Gott eins zu werden, indem das Leben mit Leib und Seele ganz auf ihn ausgerichtet wird. Der Gegensatz ist die damals blühende Scholastik, die Gott mit dem Verstand erfassen will.
In der Reformationszeit wurde das Kloster aufgehoben, als Domäne benutzt und sollte noch 1988 in der DDR-Zeit gesprengt werden. Dies wurde durch den Einsatz eines couragierten Mannes verhindert. Nach der Wende wurde in Helfta wieder ein Zisterzienserinnen- konvent eingerichtet, so dass heute erneut klösterliches Leben in Helfta herrscht.
Auch Gernrode konnte aus Zeitgründen nicht besucht werden. Dort gibt es die sehr interessante Kirche St. Cyriakus des ehemaligen Frauenstifts, die, wie auch Ehingen, im Jahr 961 erstmals erwähnt wird. Die doppelchörige Kirche ist weitgehend im Stil der Ottonischen Zeit gebaut, war bereits 1521 eine der ersten evangelischen Kirchen überhaupt, wurde nach der Auflösung des Stifts 1661 ausgeräumt und zur Scheune umfunktioniert. Im 19. Jh. wurde der Wert des Gebäudes neu erkannt und die Kirche restauriert und dient heute als Pfarrkirche. In Gernrode gab es bereits 1533 eine protestantische Elementarschule, vermutlich die älteste ihrer Art weltweit.

Das Ziel des Morgens war Quedlinburg, eine Stadt, deren Altstadt als Ganzes UNESCO-Weltkulturerbe ist.
Quedlinburg ist mehr als 1000 Jahre alt und wegen seines großen Bestandes an Fachwerkhäusern (ca. 1300 denkmalgeschützte Häuser aus sechs Jahrhunderten) das größte deutsche Flächendenkmal. Die Einwohnerzahl sank von 32.000 (1990) auf ca. 23.500 (2021), der industrielle Bereich ist nach 1990 völlig zusammengebrochen. Saatzucht und Samenhandel waren bis zur Wende Erwerbszweige, die weltbekannt waren, aber seither komplett bedeutungslos geworden sind. Vom Parkplatz ging es zunächst mit einem Führer zum Kornmarkt, auf dem ein Brunnen an Quedlinburger Persönlichkeiten erinnert, die die Geschichte der Stadt prägten. Es sind dies die erste deutsche Ärztin Dorothea Christiane Erxleben, König Heinrich I. und seine Frau Mathilde sowie eine Figur, die symbolisch auf die enorme Bedeutung Quedlinburgs in der Saat- und Samenzucht verweist: Jugend und Alter, Blühen und Verwelken. Auf der Stele von Dorothea Erxleben sind Plaketten angebracht. Sie erinnern an den großen Dichter Friedrich Gottlieb Klopstock und den Turnpädagogen Johann Christoph Friedrich Gutsmuths, Lehrer von „Turnvater“ Jahn, und einen weiteren Schüler, den berühmten Geographen Carl Ritter. Besonders beliebt scheint der Hund Quedel zu sein, das Wappentier Quedlinburgs. Sein Rücken ist blank gescheuert von vielen Personen, die es sich auf ihm bequem machen.
Weiter ging es zur Marktkirche und von dort am „Cafe Roland“ vorbei, das in sieben Häusern untergebracht ist, durch verwinkelte, schmalen Gassen mit wunderschönen Fachwerkhäusern und Namen wie „Hölle“ und „Schuhhof“ an einem Hotel „Vorhof der Hölle“ vorbei auf den Marktplatz mit dem imposanten Rathaus, das ein selten zu sehendes Standbild im Giebel vorweist, nämlich die „Abundantia“, was „Wohlstand“, aber auch „Überfluss“ bedeutet. Am Marktplatz gab es die Möglichkeit, sich eine „Thüringer Bratwurst“ zum Mittagessen zu kaufen. Außerdem steht dort ein Kaufhaus mit Glasfassade, das jeder in die Gegenwart datierte. Tatsächlich stammt die Fassade aus der Zeit um 1910! Auch findet man in der Altstadt immer wieder deutliche Hinweise darauf, dass die Menschen im Mittelalter sich nicht allein auf den christlichen Glauben verließen, denn an einigen Gebäuden zeigen Drudenfüße und andere Abwehrzeichen, dass die Menschen auch auf andere Mittel bauten. Auf der Tour wurde ebenso deutlich, welche Anstrengungen es braucht, das Kulturerbe zu erhalten, besonders in engen Gässchen, die nicht mit LKW und Baumaschinen erreichbar sind.
Von Quedlinburg ging die Fahrt weiter an Querfurt vorbei nach Memleben.

Querfurt ist ebenfalls ein interessanter Ort, für den aber wiederum die Zeit nicht reichte. Die Stadt wurde von Kloster Hersfeld im Hessischen aus gegründet und war jahrhundertelang Residenz einer sächsischen Nebenlinie. Sie wird überragt von einer der größten Burganlagen in Deutschland, die häufig als Kulisse für Märchen- und Historienfilme diente und dient. Zur Zeit ist die Anlage wegen Restaurierungsarbeiten weitgehend gesperrt.
In Memleben sind die Ruinen einst riesiger Kirchen aus der Zeit der ersten Sachsenherrscher zu sehen, die bis heute Rätsel aufgibt. Memleben war im 10. und 11. Jh. eine bedeutende Kaiserpfalz, die häufig benutzt wurde. König Heinrich I. (* um 876, König 919 – 936) und sein Sohn Kaiser Otto I. der Große (*912, König 936 -973) starben in der Pfalz Memleben. Daraufhin wurde dort am Ende des 10. Jh. ein Kloster mit einer für den Ort riesigen Kirche errichtet und es erhielt den Status eines Reichsklosters. Diese Kirche wurde aus unklaren Gründen bis auf die Grundmauern abgerissen und einige Meter weiter östlich eine neue Kirche mit Kloster gebaut.
Diese Gebäude blieben bis nach der Reformation erhalten, aber das Kloster war schon früher dem Kloster Hersfeld als Propstei zugewiesen, also herabgestuft worden. Im Vorraum der Krypta ist eine Bauinschrift von 1517 für neue Wohngebäude zu sehen, dem Jahr der Veröffentlichung von Luthers Thesen. Damals bestand das Kloster also noch. Bereits 1523 wurden einige Mönche als Anhänger Luthers bestraft.1542 wurde der Konvent aufgelöst und unter kurfürstlich sächsische Verwaltung gestellt. Die Anlage, einschließlich der Kirche, wurde landwirtschaftlich genutzt und verfiel immer mehr, zum Teil als Steinbruch genutzt. Anfang des 19. Jh. wurden architektonisch interessierte Leute auf die Ruinen aufmerksam und eine weitgehende Konservierung der verbliebenen Reste erreicht. Aber erst ab 1936 und dann in den siebziger Jahren fand eine durchgehende Sicherung der Ruinen statt. Nach der Wende erfolgten weitere Baumaßnahmen, u. a. Ausbau der ehemaligen Klausur zu Museumszwecken und Gastronomie. 1999 wurde ein Förderverein gegründet, der seit 2008 Eigentümer der Anlage ist und sich um Ihr Fortbestehen kümmert. Die Führerin zeigte engagiert, wie viel aus den doch kläglichen Resten einer jahrhundertealten Bausubstanz noch abgelesen werden kann, besonders aus der noch komplett erhaltenen romanischen Krypta. Auf dem Rückweg nach Halle war die „Arche Nebra“ zu sehen, ein neugebautes Museum mit beeindruckender Architektur in der Nähe des Fundortes der Himmelsscheibe, die bereits in Halle zu bestaunen war.

Für den letzten Tag war die Heimfahrt mit Leipzig als Zwischenstation geplant.
Dort war das Völkerschlachtdenkmal erstes Ziel, ein Bauwerk mit monumental-monströser Architektur von 1913 zur Erinnerung an die Völkerschlacht von 1813 bei Leipzig, in der Napoleon I. entscheidend geschlagen wurde. Dieses Denkmal zeigt die Selbstüberschätzung im Denken vieler Deutscher kurz vor dem ersten Weltkrieg, die unter anderem in die Katastrophe führte.
Die folgende Stadtführung begann als Busrundfahrt auch in Vororte Leipzigs, zeigte den Niedergang vieler Industriebetriebe nach der Wende mit allen Folgen, die bis heute spürbar sind, u. a. Bevölkerungsschwund. Erst allmählich beginnt Leipzig wieder zu florieren, vor allem im kulturellen und wissenschaftlichen Bereich.
Leipzig ist besonders als Stadt der Messe bekannt geworden, aber auch als Sitz vieler Verlage, was heute wieder zutrifft. Als ursprünglich slawische Siedlung erfolgte die Gründung der heutigen Stadt in ottonischer Zeit an der Kreuzung zweier wichtiger Fernhandelsstraßen. Daraus entwickelte sich eine Marktstadt mit überregionaler Bedeutung, deren Vorrang 1497 als „Reichsmesse“ vom Kaiser bestätigt wurde. Dieses Privileg war verbunden mit dem Stapelrecht, was bedeutet, dass andere Messen im Umkreis von über hundert Kilometern verboten waren und durchziehende Kaufleute ihre Waren eine bestimmte Zeit auf dem Markt anbieten mussten. 1498 bezogen Tuch- und Wollhändler ein Warenhaus, das als „Gewandhaus“ bekannt wurde. 1781 bezog das „Gewandhausorchester“ den Bau, der in dieser Funktion weltberühmt wurde. Heute ist das „Neue Gewandhaus“ Sitz des Orchesters.
1409 zog die 1348 gegründete Universität Prag wegen der Hussitenkriege nach Leipzig um. Seither ist Leipzig Universitätsstadt bis heute und stark von dieser geprägt. 1539 wurde die Stadt reformiert. Der 30jährige Krieg verursachte große Schäden. Bereits 1701 wurde eine Straßenbeleuchtung eingerichtet. Telemann und J. S. Bach wirkten an der Thomaskantorei.
1813 fand in der Nähe von Leipzig die Völkerschlacht, an der König Friedrich August von Sachsen auf Seiten Napoleons I. teilnahm und dabei von den gegnerischen Verbündeten gefangengenommen wurde. Deshalb verlor Sachsen im nachfolgenden Friedensschluss große Gebiete an Preußen. 1837 wurde die erste deutsche Fernbahnlinie Leipzig - Dresden gebaut und ab 1859 war Leipzig Eisenbahnknotenpunkt, aber von konkurrierenden Gesellschaften mit jeweils eigenen Endbahnhöfen ohne direkte durchgängige Verbindung, sodass eine Verknüpfung der Linien erst Anfang des 20. Jh. mit Europas flächenmäßig größtem Kopfbahnhof gelang.

Nach der Stadtrundfahrt ging die Gruppe noch zu Fuß durch einige Straßen der Innenstadt, vom Augustus-Platz mit der Universitätskirche, dem Neuen Gewandhaus und der Oper durch die Grimmaische Straße zur Nikolaikirche, die zum Ende der DDR 1989 eine wichtige Rolle beim Widerstand gegen das Regime spielte. Ein kurzer Blick in die Kirche mit ihren an das Paradies erinnernden Palmensäulen gab einen Eindruck von dem Gebäude. Die Nachbildung einer solchen Säule auf dem Nikolaimarkt erinnert an diese Rolle bei der friedlichen Revolution von 1989. Über die Ritterstraße ging es zurück zum Bus zur Heimfahrt.

Die ganzen Tage hatte ideales trockenes Wetter mit angenehmen Temperaturen geherrscht. Auf der Heimfahrt war eine Einkehr in der „Frankenfarm“ bei Himmelskron in der Nähe von Hof vorgesehen. Just zu diesem Zeitpunkt gab es den ersten und einzigen Regenguss auf der Fahrt. Weiter im Süden hinter Bayreuth endete die Regenzone und es blieb vollends trocken. Auf der Weiterfahrt bedankten sich die Teilnehmer beim „Reiseleiter“ für die Vorplanung und Durchführung und dieser beim Fahrer für die ruhige, gelassene und sichere Fahrweise. In Ehingen endeten die ereignisreichen Tage mit dem Fazit der Teilnehmer, dass sich die Reise wirklich gelohnt hat, dass man gerne da und dort noch mehr gesehen und erlebt hätte, was leider aus Zeitgründen einfach nicht möglich war.

 

Text: Franz Romer

 

 

 

 

Fahrt nach Halle an der Saale und Umgebung

Die Museumsgesellschaft Ehingen bietet zusammen mit der Museumsgesellschaft Schelklingen allen Interessierten, Mitgliedern oder Nichtmitgliedern, vom Mittwoch, 21.09. bis Sonntag, 25.09.2022 eine Fahrt nach Halle und Umgebung an.  

Ein breites Spektrum an sehenswerten und abwechslungsreichen Zielen, ist in Halle und seiner Umgebung geboten: vom jungsteinzeitlichen Goseck und Nebra über mittelalterliche Höhepunkte wie Halle, Quedlinburg, Merseburg, Wittenberg und Memleben bis in die neuere Zeit mit Bayreuth, Leipzig mit Völkerschlachtdenkmal sowie Dessau mit dem Bauhaus. Es gäbe dort noch vieles zu entdecken, aber leider ist die Zeit begrenzt.  

Folgender Ablauf der Fahrt ist geplant:

Mittwoch, 21.09.: Fahrt über Bayreuth (Führung) und Merseburg (Führung) ins Standquartier (Halle)

Donnerstag, 22.09.: Halle, Stadtführung und Vorgeschichtliches Museum (Himmelsscheibe von Nebra), Goseck mit rekonstruiertem ca. 7000 Jahre altem „Sonnenobservatorium“ und Naumburg (Stadt- und Domführung)

Freitag, 23.09.: Lutherstadt Wittenberg (Stadtführung) am Gartenreich Wörlitz vorbei nach Dessau (mit Führung)

Samstag, 24.09.: An Eisleben-Helfta und Gernrode vorbei nach Quedlinburg (UNESCO-Weltkulturerbe, mit Führung), weiter über Querfurt in die ehemalige Kaiserpfalz mit Kloster Memleben (Audioguide-Tour). Rückfahrt an Nebra vorbei ins Hotel

Sonntag, 25.09.  Rückfahrt über Leipzig (Stadtrundfahrt) mit Völkerschlachtdenkmal nach Ehingen  

Bei Fragen zum Programmablauf wenden Sie sich bitte an
Franz Romer, Tel. 07391/753091

Abfahrt am Mittwoch, 21.09.22 um 06:30 Uhr am Betriebshof Bottenschein in Ehingen, um 06:35 Uhr am Lindenplatz.

Geplante Rückkehr am Sonntag, 25.09.22 um 19:00 Uhr.

Mindestteilnehmerzahl: 15 Person Kosten für Mitglieder der Museumsgesellschaft Ehingen zwischen 640 € und 475 € pro Person je nach Teilnehmerzahl; Einzelzimmer-Zuschlag 68 €. Für Nichtmitglieder wird ein Zuschlag von 30 € pro Person berechnet. Durchführung mit Bottenschein-Reisen, Ehingen, (v.i.S.d.R.)

 

 

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(Himmelsscheibe von Nebra)

(Naumburger Dom)

(Völkerschlachtdenkmal Leipzig)

  • Dauerausstellung

    Schätze aus dem Museum Ehingen

    Wie vor einigen Jahren anlässlich des Internationalen Tages der Museen zu sehen war, verfügt das Museum Ehingen in seinen Magazinen über umfangreiche Sammlungen, die nicht in der Dauerausstellung zu sehen sind. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bemühen sich ständig, weitere Objekte zu erwerben, die für Geschichte und Entwicklung der Stadt und der Region wichtig sind. Großzügige Schenkungen und Stiftungen aus der Bürgerschaft tragen immer wieder maßgeblich zur Ergänzung der Sammlungsbestände bei.

    Mehr erfahren

  • Dankschreiben

     
    Herr Jürgen Wicker, Schulleiter der Franz- von- Sales- Jungenrealschule in Ehingen, hat sich für die Spende eines Klassensatzes des Buches „Nationalsozialismus in Ehingen“ mit diesem Schreiben bei der Museumsgesellschaft bedankt.
  • Bücherübergabe an Schulen

    Die Museumsgesellschaft Ehingen hat es sich zur Aufgabe gemacht, über historische Ereignisse und Zusammenhänge aufzuklären. Dazu gehört das von Dr. Rak verfasste und von der Museumsgesellschaft herausgegebene Buch „Nationalsozialismus in Ehingen“.

    Insbesondere jungen Menschen soll gezeigt werden – und das gerade in der heutigen Zeit – wie totalitäre Regierungen die Menschen mit ihren Ideologien und Geschichtsverfälschungen überziehen. Ehingen wurde auch davon nicht verschont. Das zeigt Dr. Rak in seinem Buch verständlich und anschaulich auf.

    Aus diesem Grunde hat sich die Museumsgesellschaft Ehingen entschlossen, den Schulen in Ehingen einen Klassensatz des Buches und Lehrerexemplare für den Unterricht zur Verfügung zu stellen. Die Museumsgesellschaft Ehingen verfolgt damit das Ziel, die im Grundgesetz verankerten demokratischen Werte ins Bewusstsein zu bringen.

  • Eine Bauaufnahme von 1975

    Herr Reinhold Ege war bereit, uns die beeindruckende schriftliche Ausarbeitung 

    „Der Spital zum Heiligen Geist in Ehingen (Donau)“

    Eine Bauaufnahme von Hr. Reinhold Ege / 1975 

    für das Archiv zur Verfügung zu stellen.

    Wir bedanken uns herzlichst bei
    Herrn Reinhold Ege 

  • „...denn man sieht nur, was man weiß“

    Herr Reinhold Ege war bereit, uns die schriftliche Ausarbeitung seines interessanten und lehrreichen Vortrages

    „...denn man sieht nur, was man weiß“ **

    ** Johann Wolfgang von Goethe in einem Brief an Friedrich von Müller,1819

    für das Archiv zur Verfügung zu stellen.

    Wir bedanken uns herzlichst bei
    Herrn Reinhold Ege

  • Die Tiersammlung aus dem Schloss Oberdischingen

    1891 schenkte der damalige Besitzer des Rittergutes Friedrich Kaulla (1807 – 1895) die aus 30 bis 35 Kästen bestehende Sammlung an das Gymnasium Ehingen. Später gelangte sie an den Bezirksaltertumsverein. Ursprünglich umfasste sie neben den noch vorhandenen Vögeln, Vogeleier und Säugetieren auch Käfer und Schmetterlinge...