Wolfertturm (eigentlich Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Turm)

                  

Der Wolfertturm, eigentlich Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Turm Auf der Wolferthöhe (547 m über NN), hatten Stadt und Verschönerungs-verein um 1890 vor, einen Aussichtsturm zu erstellen, der die Anhöhe als weithin sichtbares stolzes Denkmal „zum Gedenken an Kaiser Wilhelm, den Gründer und Befestiger des neuen Deutschen Reiches“ krönen sollte.

 

 

Bauherr war der Verschönerungsverein; die Stadt lieferte das Baumaterial und stellt auch das Grundstück zur Verfügung. Planung und Ausführung waren in der Hand des Ehinger Werkmeisters Max Buck (1844-1920). Er führte in Ehinger Lindenstraße ein Baugeschäft und nach seiner Idee wurde der Turm 1891/92 in der neuen Betontechnik ausgeführt.

 

 

Der Entwurf ist der Zeitgeschmack des Historismus verpflichtet, dem Vorliebe für das Mittelalter. Der Kostenvoranschlag sah 9.000 Mark vor. Der Verschönerungsverein verfügte über 6.000 Mark Eigenmittel. Der Rest sollte aus Spenden, „10-Mark-Aktien“ mit einer Laufzeit von 10 Jahren und Eintrittsgeldern – 20 Pfennig je Besucher – finanziert werden. 2.000 Zentner Zement wurden verbaut; dazu kamen 900 Wagenladungen Kies; Sand und Steine, denn der Turm ist aus Beton gegossen, ohne Stahlarmierung (?).

 

 

Erfahrungen mit dem Baustoff Beton steckten noch in den Kinderschuhen. Den Cement lieferten die Oberschwäbische Cementweke AG Ehingen, die Stuttgarter Cementfabrik Blaubeuren und die Cementfabrik E. Schwenk, Werk Allmendingen. 700 Zentner Zement waren Spenden.

 

Obwohl der Außenschmuck noch fehlte, durfte der Turm ab dem 29. März 1892 bestiegen werden. Überall finden sich Motive des Wehrhaften und der patriotischen Gesinnung. Das Ehinger Wappen über dem Eingang und das württembergische darüber, sind ebenso wie der Reichsadler auf der Nordseite, aus Zementbeton gegossen. Der Adler wurde von dem Ehinger Prof. Anton Rapp (1846-1901) als Symbol des Kaiserreiches entworfen. Die Kaiserbüste stammt von dem Bildhauer Bruno Diamant (1867-1947) aus München. Wegen der verspäteten Lieferung der Büste musste die für den 18. September vorgesehene feierliche Einweihung und Übergabe des Turmes an die Stadt auf Frühjahr 1893 verschoben werden.

 

 

Benannt wurde der Turm ganz patriotisch: Kaiser-Wilhelm-Gedächtnis-Turm, zu Ehren des Reichsgründers, des Deutschen Kaisers Wilhelm I. (1797-1888). Die Ehinger nennen ihn schlicht Wolfertturm. Später kamen auf der Ost- und Westseite schwarze Tafeln mit den Namen der Teilnehmer der Kriege 1866 und 1870/71 dazu. Dem Vorstand des Ehinger Verschönerungsvereins von 1907-1920, Baumeister Max Buck, wurde 1931 auf der Ostseite eine Gedächtnistafel gewidmet.

 

 

Der Turm wurde 1989/1990 von der Stadt Ehingen umfassend saniert, 2022/13 wurden nochmals umfangreiche Reparaturarbeiten durchgeführt.

 

 

Die Ortsgruppe Ehingen des Schwäbischen Albvereins betreut die Besucher. Im Turmzimmer oder auf der oberen Plattform können von April bis Oktober Trauungen stattfinden.

 

Text: Hademute Bechler und Schwäbischer Albverein OG Ehingen                                  

Postkarte: unbekannt     

Fotos: Gerd Schweizer

 

                               

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Spatzenweg 7
89584 Ehingen (Donau)
Deutschland