Museumsgesellschaft Ehingen

Museum Ehingen Bilder

Museumsgesellschaft Ehingen auf den Spuren der Winckelhofer und mehr in Südtirol.

Die Museumsgesellschaft Ehingen lud zu einer Fahrt nach Südtirol ein, und 25 Personen folgten dieser Einladung, um mit Johannes Lang Orte aufzusuchen, in denen Mitglieder der Familie Winckelhofer lebten und die der Ehinger Heimatforscher und einstige Rektor des Gymnasiums, Dr. Joseph Hehle, in seinen „Geschichtliche Forschungen über Ehingen und Umgegend“ genannt hatte. Dies waren vor allem Brixen im Eisacktal, Innichen, Anras im heutigen Österreich, Toblach sowie die Sonnenburg im Pustertal.

Im Chorherrenstift von Innichen war der Ehinger Hieronymus Winckelhofer als Kanoniker Mitglied der Priestergemeinschaft, wie auch sein Neffe Christoph rund ein halbes Jahrhundert später, der ansonsten Gerichtsherr auf Schloss Krakofl bei Brixen war. Deshalb war Innichen das erste Ziel am zweiten Reisetag. Der Bruder des Hieronymus, Georg, war von 1498 bis 1538 Gerichtsherr des Brixener Bischofs auf Anras, hoch über der Drau gelegen. Beim Besuch dieses Ortes, wo Fahrer Roland Freudenreich von Bayer-Reisen sein ganzes Fahrerkönnen auf engster Bergstraße unter Beweis stellen musste, gab es eine neue Erkenntnis: die Mutter von Heinrich, Hieronymus und Georg Winckelhofer war Magdalena Gomerin aus Ravensburg, und Georg selbst war mit Dorothea Prackin von Asch, einem Enneberger Geschlecht aus dem Gadertal, verheiratet. In Toblach residierte Georgs Sohn Joachim ebenfalls als Pfleger und danach dessen Sohn Heinrich. Der Rest des Pfleghofes dort ist der sogenannte Rote Turm, heute ein privates Wohnhaus. Auf der ehemaligen Sonnenburg bei St. Lorenzen im Pustertal war im Mittelalter ein wohlhabendes Benediktinerinnenkloster entstanden, in dem u.a. Maria Elisabeth von Winckelhofen Äbtissin war. Auf den Ruinen dieses Klosters entstand vor wenigen Jahrzehnten ein Hotel, in dem ein Porträt dieser Äbtissin hängt und auf dem die Namen Englös und Krakofl zu lesen sind, alles Ortsnamen, verbunden mit der Familie Winckelhofer. Spannend war der Besuch auf der Karlsburg bei Brixen, heute ein Bauernhaus. Weil alle Türen offen standen, konnten die Reisenden in der ehemaligen Dürnitz, dem Speisesaal der Burg, die Namen der Winckelhofer-Nachfahren lesen.

Höhepunkt aber war der Besuch im ehemaligen Säbener Hof, dem späteren Adelssitz der Reichsfreiherren von Lachmüller und heutigen Verwaltungsgebäude der Bezirksgemeinschaft Oberes Eisacktal. Denn in der immer noch erhaltenen Burgkapelle ist das identische Buntglasfenster zu sehen, das auch in unserem Ehinger Ratssaal hängt und Hieronymus Winckelhofer, seinen Namenspatron Hieronymus mit dem Löwen im Gehäuse sowie die Madonna zeigt. Dieses Fenster kam als Zweitfertigung nach Anras, später auf die oben genannte Karlsburg und dann durch Heirat einer Winckelhoferin mit einem Lachmüller in diesen Adelshof, in Südtirol Ansitz genannt. Damit die Reisegruppe Kapelle und Glasbild anschauen konnten, unterbrachen die Teilnehmer eines Verwaltungsgremiums extra ihre Sitzung.

Neben einer Stadtführung durch Brixen galt ein Besuch der Burg Rodenegg, wo Fragmente gotischer Wandfresken erstmals ein weltliches Thema zeigen, nämlich die Iwein-Sage aus dem Artus-Roman von Hartmann von Aue. Ulrich Köpf führte in diese Geschichte ein. Er listete auch zahlreiche Personen aus unserer Region auf, die schon im frühen und hohen Mittelalter in Südtirol und Brixen zu hohen Ämtern kamen, z.B. Bruno von Kirchberg, der als Brixener Bischof die Stadt Bruneck gründete. Besucht wurde auch das Kloster Neustift und der Brixener bischöfliche Sommersitz Velthurns. Wanderfreudige konnten von Velthurns zu Burg und Kloster Säben und dann hinunter ins Eisacktal nach Klausen wandern.

Nach so vielen Winckelhofer-Themen führte am 4. Tag ein Ausflug nach Bozen und auf den Ritten, wo das historische „Bahnl“ zu den Erdpyramiden führt. Danach nutzten manche Teilnehmer die Innenstadt von Bozen zum Shopping oder schauten sich den „Ötzi“ im Archäologiemuseum an. Am Rückreisetag gab es noch einen Halt in der mittelalterlichen, malerischen Stadt Sterzing, wo im ehemaligen Deutschordenshaus ein Museum an den Ulmer Künstler Hans Multscher erinnert. Denn als die Sterzinger Bürger im 15. Jahrhundert wohlhabend waren, bestellten sie bei dem Maler einen Flügelaltar, mit heute noch kunsthistorisch großer Bedeutung. In Sterzing hatten damals Ulmer Kaufleute Niederlassungen für den Handel mit Italien. Aber auch damit noch nicht genug: Mit einer Stadtführung durch Innsbruck am Nachmittag wurde daran erinnert, dass Ehingen 450 Jahre lang ober- bzw. vorderösterreichische Stadt war und teilweise von Innsbruck aus regiert wurde. Spannend war auch der Besuch in der Hofkirche, wo Kaiser Ferdinand I für seinen Großvater, den Kaiser Maximilian I einen, allerdings leer gebliebenen Sarkophag, errichten ließ und drum herum 28 Skulpturen, die sogenannten „Schwarzen Mander“, aufstellen ließ, die Maximilians wichtigste Familienmitglieder und regierende Zeitgenossen bzw. Vorfahren zeigen.

Jeder Ausflugstag begann im Bus zuerst mit einem fröhlichen Lied, und endete bei der Rückkehr kurz vor Ankunft mit dem Ehinger Heimatlied und mit einem Dank an die Organisatoren Johannes und Elisabeth Lang und den Fahrer.

 

 

 

 

 

 

Text und Bilder: Johannes Lang

  • Aktuelles

    Auf den Spuren der Winckelhofer und mehr in Südtirol

    Die Museumsgesellschaft Ehingen lud zu einer Fahrt nach Südtirol ein, und 25 Personen folgten dieser Einladung, um mit Johannes Lang Orte aufzusuchen, in denen Mitglieder der Familie Winckelhofer lebten und die der Ehinger Heimatforscher und einstige Rektor des Gymnasiums, Dr. Joseph Hehle, in seinen „Geschichtliche Forschungen über Ehingen und Umgegend“ genannt hatte. Dies waren vor allem Brixen im Eisacktal, Innichen, Anras im heutigen Österreich, Toblach sowie die Sonnenburg im Pustertal.

    MEHR ERFAHREN
    Südtirol Gruppenbild
  • Aktuelles

    Der Münzfund von Rißtissen

    Der Finder, Gebhard Ehrhardt, schenkte 1921 einen Teil der Münzen dem „Bezirksaltertumsverein“

    Bericht von Dr. Ludwig Ohngemach

    MEHR ERFAHREN
    Fundmünzen aus Rißtissen im Museum Ehingen
  • Aktuelles

    Exponat des Monats

    Der Ehinger Büchsenmacher Blasius Sailer 1772 - 1842

    Das Museum Ehingen konnte Ende Mai 2019 einen Vorderlader des Ehinger Büchsenmachers   Blasius Sailer (1772 – 1842) erwerben.

    MEHR ERFAHREN
    IMG_2104
  • Aktuelles

    Die Tiersammlung aus dem Schloss Oberdischingen

    Die Tiersammlung ist um 1850 im Schloss Oberdischingen entstanden. 1891 schenkte der damalige Besitzer des Rittergutes Friedrich Kaulla (1807 – 1895) die aus 30 bis 35 Kästen bestehende Sammlung an das Gymnasium Ehingen. Später gelangte sie an den Bezirksaltertumsverein. Ursprünglich umfasste sie neben den noch vorhandenen Vögeln, Vogeleier und Säugetieren auch Käfer und Schmetterlinge...

    MEHR ERFAHREN
    Museum Ehingen Tiersammlung
  • Aktuelles

    Schätze aus dem Museum Ehingen

    Wie vor einigen Jahren anlässlich des Internationalen Tages der Museen zu sehen war, verfügt das Museum Ehingen in seinen Magazinen über umfangreiche Sammlungen, die nicht in der Dauerausstellung zu sehen sind. Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen bemühen sich ständig, weitere Objekte zu erwerben, die für Geschichte und Entwicklung der Stadt und der Region wichtig sind. Großzügige Schenkungen und Stiftungen aus der Bürgerschaft tragen immer wieder maßgeblich zur Ergänzung der Sammlungsbestände bei.

    Schätze im Museum Ehingen

Termine

16.10.19 | Mittwoch

19.00 Uhr Stammtisch im Gasthaus „Schwert“

„Zauber und Gefahren der Magie“ mit Gerhard Ege

20.10.19 | Sonntag

Am Sonntag 20.11.2019 um 11 Uhr setzt Dr. Ohngemach das letztjährige Thema mit der Führung „Ehinger Mühlen 2’’ fort.
Diesmal geht es von der Lauresmühle bis zur Staigmühle.
Treffpunkt am Parkplatz beim DM-Markt / Denn's Biomarkt.

15.11.19 | Freitag

15.11.2019 - 17.11.2019
Teilnahme am Vereine- und Jedermannschiessen im Schützenhaus Ehingen. Bei Interesse bitte melden unter:
info@museumsgesellschaft-ehingen.de

10.11.19 | Sonntag

Eröffnung Ausstellung “Geopark Schwäbische Alb“ im Foyer des Museums sowie Vorstellung der neu aufgearbeiteten Fossilien- u. Mineraliensammlung.